<i>"The Name of Our Country is América" - Simon Bolivar</i> The Narco News Bulletin<br><small>Reporting on the War on Drugs and Democracy from Latin America
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Narco News Issue #42

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Die Zapatisten und die Andere Kampagne: Die Fußgänger der Geschichte

Teil II: Die Wege der Anderen Kampagne


Von Subcomandante Insurgente Marcos
Übersetzt durch Narco News

25. September 2006

Im August 2003 wurden die zapatistischen Caracoles geboren, und zusammen mit ihnen, die so genannten Juntas der Guten Regierung. Damit wurde die beginnende Trennung zwischen dem politisch-militärischen Apparat des EZLN und den zivilen Strukturen der zapatistischen Gemeinden weiter avanciert. Parallel dazu arbeiteten wir an der Strukturierung der Befehlskette und verfeinerten die Details für Verteidigung und Widerstand für einen eventuellen Militärangriff. Die ersten Schritte zur Sechsten Erklärung und der späteren Otra Campaña [Andere Kampagne] waren genommen…

1.- Alleine?

In der zweiten Hälfte von 2004, publiziere die EZLN in einer Reihe von Texten, das Fundament ihrer kritischen Haltung gegenüber der politischen Klasse und signalisierte wohin das ganze hinzielte. Zu Beginn des Jahres 2005 waren die Prämissen für die Errichtung der Sechsten Erklärung gesetzt.

Der Wahlkampf war inzwischen vorgerückt. Der EZLN präsentierten sich somit drei mögliche Wege: sich der „Welle“ von Lopez Obrador anzuschließen, und die Anzeichen und Hinweise über ihre wahre Tendenzen zu ignorieren (das heißt, inkonsequent zu sein); das Schweigen zu bewahren und den Ausgang des Wahlprozesses abzuwarten; oder das Projekt, das wir vorbereiteten zu lancieren.

Diese Entscheidung zu treffen lag nicht bei der zapatistischen Führung, sondern bei den Gemeinden. Also begannen wir das vorzubereiten, was später der Rote Alarm sein würde, die interne Consulta und, je nach ihrem Ausgang, die Sechste Erklärung.

Unmittelbar vor der Sexta wurde der Text „Die Unmögliche Geometrie der Macht“ veröffentlicht. Es kam nach dem Roten Alarm, der von einigen als Ankündigung einer zapatistischen Offensive, oder als „Antwort“ auf die ständigen Militärpatrouillen interpretiert wurde. Es war weder das eine noch das andere, sondern eine Präventivmassnahme gegen eine mögliche feindliche Militäraktion … ermutigt durch die Medienattacken der progressiven Intellektuellen, die uns aus Enttäuschung darüber, dass wir uns ihren Lobeshymnen auf AMLO nicht anschließen wollten – und darüber auch nicht schwiegen – bereits rücksichtslos angriffen.

Die Sexta wurde mit den zapatistischen Dörfern konsultiert, und diese entschieden und sagten: „wir sind dazu bereit, auch wenn wir alleine bleiben werden“. Das heißt, bereit alleine das Land zu bereisen, den Menschen von unten zuzuhören, gemeinsam mit diesen Menschen das Nationale Kampfprogramm zu errichten, um unsere Heimat zu verwandeln und ein neues Abkommen, eine neue Verfassung zu kreieren. Darauf hatten wir uns drei Jahre lang vorbereitet: alleine gelassen zu sein.

Aber so kam es nicht.

Die Sechste Erklärung fing schon bald an Beitritte zu erhalten. Aus dem ganzen Land erreichten uns Botschaften, die zeigten, dass die Sexta nicht nur verstanden und akzeptiert wurde, sondern dass viele sie auch für sich annahmen. Mit jedem Tag wurde die Sexta größer und verbreitete sich im ganzen Land.

2.- Die ersten Schritte… und Reibungen

Wie wir bereits erklärten, hatten wir einen langen Prozess vorausgesehen. Unsere Idee war, eine Reihe von Vorbereitungstreffen einzuberufen, um die Menschen kennen zu lernen, mit denen wir Weg und Anliegen umarmen würden. Und diese Treffen sollten sich bereits von allen früheren unterscheiden. Diesmal sollte das zapatistische Hören an vorderster Stelle stehen.

Wir begannen als erstes mit dem Treffen für die politischen Organisationen, um die Bedeutung zu zeigen, die wir ihnen beimessen. Dann folgten die indigenen Völkern und Organisationen, um hervorzuheben, dass wir unseren Kampf nicht aufgaben, sondern ihn in einem größeren Kampf einreihten. Dann mit den sozialen Organisationen, in Anerkennung eines Terrains, auf dem der Andere seine Geschichte errichtet hatte. Danach mit verschiedene NGO, Gruppen und Kollektive, die uns stets nahe geblieben waren. Danach mit Familien und Einzelpersonen, um darauf hinzuweisen, dass für uns alle zählten, ungeachtet ihrer Größe oder Anzahl. Und zuletzt mit den Anderen, um anzuerkennen, dass unsere Außensicht eingeschränkt sein könnte (was auch tatsächlich der Fall ist).

In Juli, August und September 2005 fanden die so genannten „Vorbereitungstreffen“ statt. Darin hielten wir unser Wort, wir hören ALLEM mit Aufmerksamkeit und Respekt zu, was gesagt wurde, einschließlich von Vorwürfen, Kritiken, Drohungen… und Lügen (obwohl wir damals nicht wussten, dass es Lügen waren).

Vor einem Jahr, am 16. September 2005, in der Anwesenheit der heute verstorbenen Comandanta Ramona, übergab die Führung der EZLN die so genannte „Andere Kampagne“ formell an die Gesamtheit der AnhängerInnen. Sie informierte darüber, dass sie an der Bewegung, außer durch die zapatistischen Gemeinden auch durch eine Delegation ihrer Führung (genannt die „Sechste Kommission“) teilnehmen würden, und gab den „Aufbruch“ des ersten Kundschafters bekannt, der Delegierte Nr. Null (um anzuzeigen, dass danach andere Delegierte folgen würden). Seine Mission würde darin bestehen im ganzen Land, alle Compañer@s, die nicht an den Vorbereitungstreffen hatten teilnehmen können, kennen zu lernen und ihnen zuzuhören, und die Bedingungen zu erkunden, in denen die Sechste Kommission ihre ständige Arbeit aufnehmen würde.

In dieser ersten Vollversammlung schlug die EZLN vor, den Vorsatz der Sechsten Kampagne eine andere Form der Politik zu errichten zu erfüllen, und das Wort aller zu berücksichtigen, ungeachtet dessen, ob sie an den Treffen teilgenommen hatten oder nicht

In dieser Versammlung gab es auch die ersten Versuche einiger Organisationen, die Andere Kampagne in die Briefkopfliste einzugliedern, die sich aus der „Promotora“, dem „Frentote“ und dem so genannten „Diálogo Nacional“ zusammensetzt. Angesichts dieser Position schlug die EZLN vor, bei dieser Gelegenheit noch keine Beschlüsse zu fassen. Dass man zwar argumentieren und diskutieren würde, aber dass keine Entscheidungen OHNE DIE BETEILIGUNG ALLER ANHÄNGER/INNEN getroffen werden sollten. Jene, die darauf gesetzt hatten, dass in den Versammlungen das Grundlegende in Abwesenheit der großen Mehrheit der AnhängerInnen beschlossen werden würde, erlebten ihre erste unangenehme Überraschung, als vereinbart wurde, dass die so genannten „6 Punkte“ zur Diskussion durch alle AnhängerInnen im ganzen Land zu stellen. Später, in den Treffen, die auf diese erste Vollversammlung folgten, ging die EZLN aufgrund dieser versuchten Manipulationen auf Abstand zu diesen Organisationen.

Die Leiter dieser wenigen Organisationen, Gruppen und Kollektive waren nicht aufrichtig. Wie es sich später herausstellte, hatten sie darauf gesetzt der Bewegung beizutreten um ihre Leitung zu übernehmen, um sie zu sprengen … oder um bessere Positionen auf dem „Marktplatz“ auszuhandeln, in dem sich die Bewegung um AMLO verwandelte. Sie waren so sicher, dass er Präsident werden würde… nun, offizieller Präsident, dass sie fürchteten der Zug (des Budgets) könnte ihnen davonfahren, und sie hätten kein Fahrschein. Und die Andere Kampagne war die Ware, die sie gegen Vergünstigungen, Kandidaturen und Regierungsposten umtauschen wollten.

3.- Die ersten Probleme.

In dieser ersten Vollversammlung machte sich auch ein Ungleichgewicht bemerkbar: die Gruppen und Kollektive (die in der Form der Vollversammlung ihre gewohnte Art zu diskutieren und zu entscheiden vorfinden), waren zahlenmäßig viel stärker vertreten als die politischen und sozialen Organisationen, Familien und Einzelpersonen… und die indigenen Völker.

An diesem Punkt sollten wir erklären, dass die meisten Anhänger der Sechsten Erklärung Indigenas sind (und zwar die Zapatisten nicht mitgezählt). Wenn sich das in den Veranstaltungen und Versammlungen nicht widerspiegelt, dann deshalb, weil die indigenen Völker andere Räume der Mitwirkung und des Kampfes haben, die weniger „sichtbar“ sind. Für den Augenblick reicht es zu sagen, dass wenn sich sämtliche AnhängerInnen irgendwann mal zur gleichen Zeit und am gleichen Ort versammeln sollten, bei einer sehr vorsichtigen Schätzung ein Verhältnis von 10 Indigenas für jede Person einer anderen politischen oder sozialen Organisation, NGO, Gruppen, Kollektiven, Familien oder Einzelpersonen bestehen würde. Wenn es hoffentlich jemals dazu kommen sollte, könnten die indigenen Völkern uns dann allen vielleicht beibringen, nicht das „ich“ sondern das „wir“ zu benutzen, um uns zu selbst zu bezeichnen, und zu sein wer wir sind.

Wir sahen all dies und noch einige weitere Dinge (zum Beispiel, dass es weder ein Entscheidungsmechanismus noch Raum für Debatten gab; dass die Gruppen und Kollektive den politischen und sozialen Organisationen ihre Arbeitsweise aufzwingen wollten und umgekehrt), aber das machte uns keine Sorgen. Wir dachten, dass es zunächst mal darauf ankam uns alle gegenseitig kennen zu lernen, und hinterher würden wir dann alle gemeinsam das immer noch unvollständige Profil der Anderen Kampagne definieren.

4. – Die Zeiträume.

Unserer Idee zufolge war es aus mehreren Gründen von Vorteil, den Beginn der Anderen Kampagne und der ersten Rundreise während des Wahlkampfes anzusetzen. Zum einen würde wir aufgrund unserer Haltung gegen die politische Klasse in den Rednertribünen und auf Versammlungen, auf jene, die auf der Wahlkampfschiene standen und stehen, wenig „anziehend“ wirken. Den „Wohlüberlegten“ gegen den Strich zu gehen, würde jene bloßstellen, die sich der EZLN in der Vergangenheit nur genähert hatten um sich fotografieren zu lassen, und sie dazu bringen uns zu meiden und sich vom Neozapatismus zu distanzieren (durch Bücher, Statements … und Kandidaturen)

Nicht weniger wichtig war, dass während wir den Menschen von unten zuhörten, das Wort der anderen Kämpfe sichtbar, und somit auch deren Geschichte und Weg greifbar werden würden. Sich in der Anderen Kampagne zu „präsentieren“, bedeutete dann auch, sich für die Repression der Kaziken, Regierung, Unternehmer und Parteien zu „präsentieren“. Wir dachten uns, dass die Wahlkampfzeit die „Kosten“ einer repressiven Aktion „anheben“ würde, was die kleinen Kämpfen und Organisationen etwas weniger verletzlich machte. Ein weiterer Vorteil war, dass die da oben ganz von den Wahlen in Anspruch genommen wären, und uns in Ruhe lassen würden um unseren Projekt umzusetzen, und der Neozapatismus keine angesagte Mode mehr wäre.

Also überlegten wir uns die folgenden Zeiträume:

  • Sechs Monate für die Erkundungsreise und um uns im ganzen Land kennen zu lernen (Januar bis Juni 2006). Zum Abschluss ein Bericht an die gesamte Andere Kampagne: „das sind wir, wir sind hier, dies ist unsere Geschichte“; dann in Ruhe die Wahlen verstreichen lassen und die nächsten Schritte vorbereiten.
  • Dann eine anschließende Etappe, um die Bekanntschaften zu vertiefen und die Möglichkeiten der Kommunikation und Unterstützung (das Netzwerk) zwischen den AnhängerInnen auszubauen, um uns gegenseitig zu unterstützen und verteidigen zu können (bereits unter Mitwirkung mehrerer Delegierten der Sechsten Kommission – von September 2006 bis Ende 2007 – mit Unterbrechungen für Zwischenberichte und um die Delegierten abzulösen).
  • Danach die Exposition, die Debatte und die Definition der Profils der Anderen Kampagne unter Beteiligung aller AnhängerInnen, nicht nur der EZLN (das gesamte Jahr 2008).
  • In 2009 könnte die Andere Kampagne bereits in der Lage sein, drei Jahre nach ihrer Initiierung, der mexikanischen Bevölkerung mit einem eigenen Gesicht und Stimme gegenübertreten, die von allen gemeinsam erschaffen worden sind. Damit Beginn des Nationalen Kampfprogramms, links und antikapitalistisch, von und für die Menschen von unten.

Erinnern wir uns, dass unserer Analyse zufolge, an diesem Jahr der „lopezobradorische Traum„ enden würde. Dann gäbe es für unsere Heimat nicht die Enttäuschung, die Entmutigung und die Hoffnungslosigkeit als einzige Zukunft, sondern es würde da „noch etwas anderes“ geben.

5.- Die Schritte bis Atenco: Compañer@s sein?

Dann begann die Reise . . . und es kam wie es kam. Der Schmerz, den wir geahnt hatten, kam dem nicht einmal nahe, den wir auf unserer Reise tatsächlich vorfinden, hören und kennen lernen sollten. Regierungen aller politischen Parteien (einschließend der angeblichen „Linken“ – PRD, PT und Convergencia) verbündet mit Kaziken, Großgrundbesitzer und Unternehmer, um Ejidatarios indigene Gemeinden, Klein- und Straßenhändler, SexarbeiterInnen, Arbeiter, Angestellte, Lehrer, Studenten, Jugendliche, Frauen, Kinder, und alte Menschen auszuplündern, auszubeuten, zu verachten und zu unterdrücken; um die Natur zu zerstören, um die Geschichte und die Kultur zu verkaufen; um ein intolerantes, ausgrenzendes, machohaftes, homophobes und rassistisches Denken und Handeln zu stärken. Und nichts davon erschien in den Massenmedien.

Aber wenn in dem unteren Mexiko, das wir vorfanden, ein empörender Schmerz gärte, enthüllten und offenbarten die organisierten Rebellionen, die sich heranbildeten und vereinten, ein „anderes“ Land, ein Land in Aufruhr, im Kampf, das dabei war eigene Alternativen aufzubauen.

Wenn die Reise der Sechsten Kommission zu Anfang noch, mit der Borniertheit derer, die nur nach oben blicken, als ein „ambulanter Beschwerdebriefkasten“ betrachtet wurde, wurde das bald anders, und das Wort des und der Anderen nahm die Größe an, die das Verschweigen derer von oben bis dahin verschleiert hatte. Erstaunliche Geschichten von Heldenmut, Hingabe und Aufopferung, um sich der Zerstörung zu widersetzen, die von oben kommt, fanden Gehör und Echo in andere AnhängerInnen.

So erreichten wir den Bundesstaat México und D.F,. beladen mit dem Besten aller Farben, die unten kämpften. Der Kalender zeigte den 3. und 4. Mai 2006 an, und Schmerz und Blut zeichneten das Volk von Atenco und die Compas der Anderen Kampagne.

Eine wahre Lektion darin erteilend, was es in der Anderen Kampagne bedeutet Compañer@s zu sein, mobilisierte sich die Volksfront zur Verteidigung des Landes aus Atenco, um Compas in Texcoco beizustehen. Die städtische Regierung (PRD) täuschte vor ein Dialog und Verhandlungen führen zu wollen, während sie die Staatliche Polizei (PRI) und die Bundespolizei (PAN) herbeirief, um zu unterdrücken. Die repräsentativsten Parteien der politischen Klasse, PRD-PRI-PAN, vereinten ihre Kräfte um der Anderen Kampagne einen Schlag zu versetzen. Rund 200 Compas wurden angegriffen, geschlagen, gefoltert, missbraucht und eingekerkert. Ein Minderjähriger, Javier Cortés Santiago, wurde von der Polizei ermordet. Unser junger Compañero Alexis Benhumea Hernández, Anhänger der Anderen Kampagne und Student der UNAM, starb nach einem langen Todeskampf, ebenfalls ermordet.

Die meisten von uns reagierten und nahmen Aktionen für Solidarität und Unterstützung in Angriff, und um zu denunzieren und Druck auszuüben. Mit einem Mindestmass von Anstand und Kameradschaft, unterbrachen wir die Reise der Sechsten Kommission der EZLN, und widmeten uns als erstes der Aufgabe, die Verleumdungs- und Lügenkampagne anzufechten, die in den Massenmedien gegen die Volksfront zur Verteidigung des Landes betrieben wurde (was, einige Compas von den alternativen Medien brüskierte); dann Aktivitäten zu realisieren, um Geldmittel für die Gefangenen zu sammeln, und Veranstaltungen, um die Wahrheit über das Vorgfallene darzulegen.

Im Gegensatz zur Mehrheit der Anderen Kampagne, mobilisierten und fühlten sich einige Organisationen nur betroffen, solange sich eigene Militanten unter den Gefangenen befanden, oder die Veranstaltung Aufsehen erregten. Sobald ihre Compañeros freigelassen wurden und Atenco aus der Mode kam, ließen sie die Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit für die anderen Gefangenen fallen. Später würden sie die ersten sein, die losrannten um sich in AMLO’s Proteststreik auf dem Zócalo und der Reforma einzureihen. Was sie nicht bereit waren für Atenco zu tun, taten sie für López Obrador… weil mit ihm die „Massen waren“!… und, ja, auch die Scheinwerfer.

Andere Organisationen nutzten die Konjunktur um geschickt zu versuchen die Andere Kampagne in eine Bündnispolitik mit jenen zu drängen, die nach oben blickten und blicken. Unter dem Vorwand von „wir müssen im Kampf für die Gefangenen alle vereint stehen“, versuchten sie (indem sie Vollversammlungen manipulierten) Abkommen durchzusetzen, welche die Andere Kampagne an das Wahlkampf-Kalkül von Organisationen fesselten, die offen oder versteckt gelb waren (die Farbe der PRD). Und nicht nur das, sie versuchten auch Zwietracht und Spaltung zu säen, indem sie herumerzählten, die EZLN würde dem Volk von Atenco eine Politik sektiererischer Allianzen aufzwingen wollen. Aber damit sind sie gescheitert.

Eine andere Organisation mit einigen Compañer@s verkündete, dass die Gefangenen sowieso nicht so schnell freigelassen werden würden, und es deshalb sinnlos sei soviel Kraft darin zu investieren, dass „irgendjemand anderes“ (vermutlich nicht sie), diese Aufgabe übernehmen sollte, damit die Andere Kampagne weitergehen könne, und dass die Sechste Kommission der EZLN einen Fehler gemacht hatte ihre Reise zu unterbrechen, dass es sich dabei um eine „unilaterale“ Entscheidung gehandelt hätte, und sie ihre Reise besser wiederaufnehmen sollte … um die Orte aufzusuchen, an denen sie [*die Compañer@s dieser Organisation] politische Arbeit leisteten oder daran interessiert waren es zu tun.

Aber das Verhalten dieser Compañer@s“ wurde von der solidarischen Aktivität der Mehrheit der Anderen Kampagne übertroffen. In ganz Mexiko, und in mehr als 50 Ländern der Welt, ertönte die Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit für die Gefangenen von Atenco mit vielen Farben.

6.- Indios versus Mestizen und Provinz versus DF.

Während die EZLN für die Andere Kampagne einen langsamen Fortschritt in mehreren Etappen vorausgesehen hatte (mit ein oder zwei Vollversammlungen pro Jahr), fanden in Mai und Juni 2006 sogar ganze vier Vollversammlungen statt, alle davon in D.F., da sich ein Großteil der Aktivitäten für Atenco dort konzentrierte.

Und in diesen Treffen manövrierten die „Versammlungsprofis“ darauf hin, sie in beschlusstreffende Instanzen zu verwandeln, ungeachtet dessen, dass dies eins der wichtigsten Vorsätze der Sexta missachtete: die Meinung aller einzubeziehen. Obwohl wegen Atenco einberufen, sahen sich die Versammlungen den Manipulationen einiger Organisationen, Gruppen und Kollektive ausgesetzt, in erster Linie aus D.F., um Entscheidungen und Definitionen zu treffen, die diesen zusagten. Und diese Logik verallgemeinerte sich.

Einige Diskussionen und Entscheidungen waren, gelinde gesagt, lächerlich. Zum Beispiel schlug in einer Versammlung irgend jemand vor, der sich kulturell mit der Náhuatl Sprache befasste, Náhuatl zur offiziellen Sprache des Landes zu erklären, und dieses Dokument der EZLN zu übergeben (die sich zu 99.99% aus Indigenas zusammensetzt, die Maya-Sprachen sprechen). Die Versammlung stimmte einhellig dafür. Auf diese Weise beschloss die Andere Kampagne das durchzusetzen, was weder die Azteken, noch die Spanier, noch die Gringos, noch die Franzosen, noch die etceteras, noch alle Regierungen seit der Kolonialzeit geschafft hatten: die zapatistischen Gemeinden ihrer Muttersprache zu berauben, die nicht Náhuatl ist. In einer späteren Versammlung versuchte die Moderation zur Diskussion zu stellen, ob die indigenen Völker einen Sektor darstellten oder nicht … ohne dass die indigenen Compañer@s dazu irgendetwas gesagt hätten. Nach 500 Jahren von Widerstand und Kampf und zwölf Jahre des bewaffneten zapatistischen Aufstandes, beabsichtigte die Versammlung zu diskutieren was die indigenen Völker wären, ohne ihnen das Wort zu erteilen.

Wenn die Repression in Atenco uns veranlasste, als Bewegung organisiert zu antworten, läuft das Vakuum, das durch das Fehlen grundsätzlicher Definitionen entstanden ist (wie den Stellenwert der Debatte und die Art und Weise wie Beschlüsse zu treffen sind) Gefahr, von den Vorschlägen und „Vorgehensweisen“ derer gefüllt zu werden, die im Gegensatz zu den anderen AnhängerInnen nicht nur in der Lage sind an den Versammlungen teilzunehmen, sondern auch stundenlang ausharren können, um im richtigen Augenblick (das heißt, wenn ihnen der Sieg sicher ist) ihren Vorschlag abstimmen zu lassen, oder die Abstimmung durch Anträge abzuwenden (wenn sie zu verlieren drohen).

In einer Versammlung zählt nur wer spricht, nicht wer arbeitet. Und zwar auf Spanisch. Denn wenn gerade nur indigene Sprachen gesprochen werden, nutzen die „Spanisch-Sprecher“ die Zeit um auf die Toilette zu gehen, zu essen, oder zu schlafen. Wir Zapatisten haben die Sexta überprüft, und darin wird an keiner Stelle gesagt, dass man Spanisch oder Rhetorik beherrschen muss, um beitreten zu können. Aber in den Versammlungen hat die Logik dieser Organisationen, Gruppen und Kollektive das so durchgesetzt.

Und mehr noch. In diesen Versammlungen wurde per Handzeichen gestimmt. Und da diese alle zufällig alle an einem bestimmten geographischen Punkt stattfanden (sagen wir in DF), entsendeten die Otras in den Bundesstaaten und Regionen Delegierte, um zu vertreten was die AnhängerInnen an diesen Orten beschlossen hatten. Aber als es zur Abstimmung kam, wurde das nicht berücksichtigt. In der Versammlung zählt die Stimme eines staatlichen oder regionalen Delegierten genauso viel, wie die eines jeden, der zu einer Gruppe oder einem Kollektiv gehört. Einige Compañer@s mussten tagelang reisen um an der Versammlung teilzunehmen, aber nach den Regeln mussten sie sich mit den gleichen drei Minuten Redezeit begnügen, wie eine Person, die mit der U-Bahn zum Treffen gekommen war. Und wenn der staatliche oder regionale Delegierte vorzeitig abreisen musste, weil sie tagelang unterwegs sein würden um nach Hause zu gelangen, und nicht bis zum Abschluss der Versammlung bleiben konnte (also dann wenn die Moderatoren – wie das in der Vollversammlung am 1. Juli der Fall war – die Resolutionen ausschließlich von AnhängerInnen aus D.F. abstimmen ließen, schon halb aus der Tür, weil im Lokal bereits die Lichter abgedreht wurden), dann ging gar nichts. Und wenn diese Resolution lautete, dass in 15 Tagen eine weitere Versammlung stattfinden sollte, hier in D.F., und der oder die Compa war ein/e Delegierte/r einer indigenen Gemeinde, dann sahen sie sich gezwungen nach Hause zu eilen, und die Zeitauffassungen der Stadt einem indigenen Dorf aufzudrängen, das in die Andere Kampagne eingetreten war, weil sie dachten es sei ein Ort an dem ihre Lebensweise und ihre Zeitauffassungen respektiert würden.

Die Aktionen und Verhalten dieser Gruppen und Kollektive (die in der Anderen Kampagne in D.F. und landesweit nur eine kleine Minderheit darstellen, aber so viel Rummel machen als ob sie die Mehrheit wären), haben zum Aufkommen zweier Tendenzen geführt, die sich in der Anderen Kampagne bemerkbar machen:

  • Dass einige Compañer@s aus der Provinz die AnhängerInnen aus D.F. mit dieser autoritären Form identifizieren (getarnt als „demokratisch“, „antiautoritär“ und „horizontal“) und davor zurückscheuen mit ihnen mitzuwirken, zu diskutieren und Vereinbarungen zu treffen. Ohne für diese Art „Torpedierung“ der Versammlungen verantwortlich gewesen zu sein, wird die Mehrheit der Compas aus D.F. von dieser Ablehnung getroffen.
  • Dass die Compas vom Nationalen Indigenen Kongress die Geringschätzung und Borniertheit dieser Gruppen als „Eigenart“ aller Mestizen identifizieren. Denn wenn es jemand versteht in einer Versammlung beizusitzen, zu diskutieren und Vereinbarungen zu treffen, dann sind das die indigenen Völker (und sie müssen nur selten tatsächlich abstimmen um zu sehen wer gewinnt). Das ist ebenso ungerecht, denn die überwältigende Mehrheit der Nicht-Indigenas in der Otra hat große Achtung vor den Indigenas.

Beide Tendenzen sind ungerecht und falsch. Aber das Problem, so denken wir Zapatisten, besteht darin, dass die Versammlungen diese Irreführung gestatten; also dass einige Gruppen, Kollektive und Organisationen ihre unfaire und unehrenhafte Art zu diskutieren und Beschlüsse zu treffen, als Meinung aller oder der Mehrheit präsentieren.

Nein. Wir Zapatisten denken, dass die Versammlungen dazu da sind, um zu informieren und gegebenenfalls operative Fragen zu diskutieren und zu beschließen, nicht um Grundsätzliches zu diskutieren, zu beschließen und zu definieren.

Wir denken auch, dass es ein Fehler unsererseits, der EZLN gewesen ist, die Definition der Räume und Mechanismen für Information, Debatte und Entscheidungsfindung, nicht von Beginn der Anderen Kampagne an in Angriff genommen zu haben. Aber lediglich unsere Unzulänglichkeiten als Organisation und als Bewegung aufzuzeigen und anzuerkennen löst die Probleme nicht. Diese grundsätzlichen Definitionen fehlen weiterhin. Hierzu, hinsichtlich der so genannten „Sechs Punkte“, werden wir im letzten Kapitel dieser Reflexion einen Vorschlag unterbreiten.

7.- Ein weiteres „Problem“.

Von einigen Kollektive und Personen wurde Kritik gegen den „Protagonismus“ und dem „Autoritarismus“ des Sup erhoben. Wir verstehen, dass einige sich von der Präsenz eines Militärs (auch wenn er „anders“ ist) in der Anderen Kampagne beleidigt fühlen, da er das Bild der vertikalen Ausrichtung, des Zentralismus und des Autoritarismus personifiziert. Beiseite lassend, dass diese Personen „übersehen“ was die EZLN und ihr Kampf für Millionen Mexikaner und Menschen auf der ganzen Welt bedeuten, möchten wir sie darauf hinweisen, dass wir die moralische Autorität, die sich unsere Gemeinden in mehr als 12 Kriegsjahren erworben haben, niemals zum eigenen Vorteil „genutzt“ haben. In unseren Beteiligungen in der Anderen Kampagne haben wir alle die ihr angehören stets loyal verteidigt, auch wenn wir mit ihren Symbolen und Positionen nicht einverstanden waren.

Mit unserer Stimme haben wir den Hammer und die Sichel der Kommunisten verteidigt, das „A“ auf schwarzem Hintergrund der Anarchisten und Libertären, die Skinheads, die Punks, die Goths, die Gangs, die Raza, die Autonomen, die SexarbeiterInnen, jene, die zur Wahlenthaltung aufriefen, oder zur Annullierung der Wahl, oder denen es egal war ob man wählte oder nicht, die Arbeit der alternativen Medien, jene, die das Wort gebrauchten und missbrauchten, die Intellektuellen in der Anderen Kampagne, die stille aber effektive politische Arbeit des Nationalen Indigenen Kongresses, die Kameradschaft der politischen und sozialen Organisationen, die ohne damit zu prahlen, ALLES was sie hatten für die Andere Kampagne und den Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit für die Gefangenen von Atenco eingesetzt haben, die freie Ausübung von Kritik, manchmal grob und gemein (wie die Kritik gegen die sozialen und politischen Organisationen von D.F., die den Raum, die Einrichtung und die Audioausrüstung für Veranstaltungen und Treffen der Anderen Kampagne zur Verfügung gestellt haben, und sich deshalb Vorwürfe des „Protagonismus“ gefallen lassen mussten!), oder, wie so oft, brüderlich und kameradschaftlich.

Auch uns wurden mitunter unter der Maske der „Kritik“ einige echte Schwachsinnigkeiten vorgeworfen. Wir haben darauf nicht geantwortet . . . noch nicht. Aber wir haben diese stets von der ehrlichen Kritik unterschieden, die erhoben wird um uns auf unsere Fehler hinzuweisen und uns verbessert haben.

8.- Tendenzen angesichts der postelektoralen Mobilisierung von AMLO

Der Wahlbetrug, der gegen López Obrador verübt wurde, hat unter anderem eine Mobilisierung hervorgerufen. Wir werden unsere Position ihr gegenüber später erläutern. Zunächst möchten wir auf einige der Positionen verweisen, die soweit wir sehen konnten, in der Anderen Kampagne vertreten sind:

  • Da gibt es die unehrliche und opportunistische Position einiger – weniger – linken politischen Organisationen. Sie behaupten, wir stünden heute vor einem historischen, pre-revolutionärem Moment („eine Wasserscheide [= ein entscheidender Wendepunkt], Bruder, und bei dem Regen braucht man einen Regenschirm *) aber dass AMLO kein Führer sei, der es verstehen würde die Massen zum Sturm auf den Winterpalast zu führen … na schön, auf den Regierungspalast. Aber dafür gibt es ja die politischen Avantgarden, die wissen was die Massen sich erhoffen und ersehnen, die der PRD-Politiker heute einberuft.

    Also haben sie sich dem Proteststreik und den Mobilisierungen für Lopez Obrádor angeschlossen, um „Bewusstsein für die Massen zu schaffen“, um die Bewegung dieser „reformistischen“ und „nachgiebigen“ Führung zu „entreißen“, und die Mobilisierung auf ein „höheres Kampfniveau“ zu bringen. Also legten sie schnell ihr Geld zusammen, erklärten die Andere Kampagne für „tot und erledigt“ (Marcos? Pah! Ein politischer Kadaver), kauften sich ihr Zelt und installierten sich im Proteststreik auf der Reforma. Dort riefen sie dann zu Sammelaktionen für Verpflegung auf.

    Nein, nicht für die Compas, die unter heldenhaften Bedingungen den Proteststreik vor dem Gefängnis von Santiaguito in Unterstützung der Gefangenen von Atenco aufrechterhalten, sondern für den Proteststreik von Lopez Obrador.

    Dort organisierten sie Konferenzen und runde Tische, und verteilten Flugblätter und „revolutionäre“ Zeitschriften, mit „tiefgehenden“ Analysen über die Konjunktur, die Korrelation der Kräfte und das Aufkommen der Massenfronts, Volkskoalitionen… und noch mehr nationale Promotoras und Dialoge! Hurra! Jaaaa!

    Und, gut, dort warteten sie geduldig darauf, dass die Massen ihren Irrtum einsehen (den der Massen, natürlich) und ihre Klarsicht und Entschlossenheit (die der Organisationen, natürlich) zujubeln würden. Oder dass López Obrador, oder Manuel Camacho, oder Ricardo Monreal, oder Arturo Núñez sie aufsuchen, um Rat, Orientierung, Unterstützung oder F-ü-h-r-u-n-g zu finden… aber nichts passierte. Später nahmen sie ungeduldig an der CND teil, um AMLO zuzujubeln und zum legitimen Präsidenten auszurufen.

    Dort akzeptierten sie auch ohne zu mucksen, die Leitung und die politische Kontrolle von, unter anderen „angesehenen Revolutionären“: Dante Delgado, Federico Arreola, Ignacio Marván, Arturo Nuñez, Layda Sansores, Ricardo Monreal und Socorro Díaz (wer hier einen findet, der nicht mal zur PRI gehört hat, kriegt einen Preis), also die tragenden Säulen der „neuen“ Republik, der „neuen“ Generation der zukünftigen „neuen“ politischen Partei (Verdammt, habe ich jetzt zu schnell vorgesprungen?).

    Die Massen kehrten dann wieder nach Hause zurück, zu ihrer Arbeit, zu ihren Kämpfen, aber diese Organisationen werden den richtigen Augenblick abzuwarten wissen … und sie werden López Obrador die Führung der Bewegung entreißen! (Ha!)

    Jedem das seine, aber sind sie nicht ein bisschen rührend?
  • Es gibt innerhalb der Anderen Kampagne auch eine ehrliche Tendenz derer, die aufrichtig besorgt über die „Isolation“ sind, die sich für uns aus der Weigerung sich der Mobilisierung von AMLO anzuschließen ergeben könnte. Sie halten es für möglich die Mobilisierung zu unterstützen, ohne damit auch den PRDista zu unterstützen. Ihre Analyse besagt, dass es auch [in dieser Bewegung] Menschen von unten gibt, an die wir herantreten sollten, weil unsere Bewegung mit und für die Menschen von unten ist, und wenn wir es nicht tun, werden wir dafür einen hohen politischen Preis zahlen.

9. – Die Andere Kampagne, die wirklich existiert

Und dann gibt es da die Tendenz, die, nach allem was wir gesehen und gehört haben, innerhalb der Anderen Kampagne von der Mehrheit vertreten wird. Diese Position (die auch wir als Zapatisten vertreten) besagt, dass die lopezobradorische Mobilisierung nicht unsere Schiene ist, und dass wir fortfahren müssen nach unten zu blicken und als Andere Kampagne zu wachsen, weder danach suchend jemand zu führen und befehligen, noch nach jemanden verlangend, der uns führt und befiehlt.

Und diese Position besagt eindeutig, dass sich die Überlegungen, die der Sechsten Erklärung Antrieb gaben nicht geändert haben, das heißt, eine Bewegung hervorzubringen und zum Wachsen zu bringen, die von unten, antikapitalistisch und links ist.

Denn abgesehen von diesen Problemen, die wir entdeckt und auf die wir hier hingewiesen haben, und die sich auf einige wenigen Compas beschränken und konzentrieren, die im ganzen Land verstreut sind (nicht nur in D.F.) und auf diese wenigen Organisationen (die, wie wir jetzt wissen und verstehen, niemals woanders gewesen, noch woanders sein werden, als dort wo es Massen gibt, die auf eine Avantgarde warten), geht die Otra [das Andere] – im ganzen Land weiter, und gibt weder ihren Weg auf noch ihr Schicksal.

Es ist die Otra der politischen Gefangenen von Atenco, von Ignacio Del Valle, Magdalena García, Mariana Selvas und allen Namen und Gesichter dieser Ungerechtigkeit.

Es ist die Otra der politischen Gefangenen in Guanajuato, Tabasco, Chiapas, Oaxaca, Puebla, Hidalgo, Jalisco, Guerrero, Bundestaat México, und im ganzen Land; Die Andere Kampagne von Gloria Arenas und Jacobo Silva Nogales.

Er ist die Otra des Nationalen Indigenen Kongresses (Region Pazifik-Mitte), die ihre Kontakte bis zu den Halbinseln von Yucatán und Baja California und nach Nordosten hin ausstreckt und weiter wächst.

Es ist die Otra, die in Chiapas blüht, ohne Identität und Wurzel zu verlieren, der es gelingt Zonen und Kämpfe zu organisieren und zu artikulieren, die bisher stets getrennt geblieben sind, und die Darlegung und Definition des Anderen Kampfes um die Gleichstellung der Geschlechter avanciert.

Es ist die Otra, die in Gruppen und Kollektiven für Kultur und Information weiterhin Freiheit und Gerechtigkeit für Atenco fordert, die ihre Netzwerke festigt, und Musik spielt, die für ein anderes Hören und für den Tanz mit anderen Füssen bestimmt ist.

Es ist die Otra, die im Proteststreik vor Santiaguito aufrecht hält und zum Licht und zur Botschaft für unsere gefangenen Compañer@s pres@s wird: „Wir werden euch nicht vergessen, wir werden euch rausholen“.

Es ist die Otra, die in linken politischen und sozialen Organisationen, ihre Beziehungen und Verpflichtungen mit einer neuen Art Politik zu betreiben knüpft.

Es ist die Otra, die sich in den nördlichen Staaten Mexikos und jenseits des Rio Bravo, von dem Warten auf die Sechste Kommission nicht abhalten liess, und weiter arbeitete.

Es ist die Otra, die in Morelos, Tlaxcala, Querétaro, Puebla, der Huasteca von Potosi, Nayarit, Bundesstaat México, Michoacán, Tabasco, Yucatán, Quintana Roo, Veracruz, Campeche, Aguascalientes, Hidalgo, Guerrero, Colima, Jalisco, in D.F., kämpfend lernt „wir“ zu sagen.

Es ist die Otra, die in Oaxaca wächst, unten und ohne Protagonismus, die Bewegung, die heute ganz Mexiko mit Verwunderung erfüllt.

Es ist die Otra der Jugendlichen, der Frauen, der Kinder, der alten Menschen, der Homosexuellen, der Lesbierinnen.

Es ist die Otra der Bevölkerung von Atenco.

Es ist die Otra, das zu den besten gehört, das dieser mexikanische Boden jemals hervorgebracht hat.

(Fortsetzung folgt…)

Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee General-Kommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.
Die Sechste Kommission der EZLN.

Subcomandante Insurgente Marcos
Mexiko, September 2006.

* „un parteaguas, mano, y con esta lluvia lo que se necesita es un paraguas“. Unübersetzbares mexikanisches Wortspiel.

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